Hinweis: Bericht aus einer einzigen Quelle; Bestätigung steht noch aus.
Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) hat 546 Fälle von sexueller Gewalt im Sudan verifiziert, die sich über 16 der 18 Bundesstaaten des Landes erstrecken und den Zeitraum vom Beginn des Konflikts bis Mitte April umfassen. Mindestens 838 Opfer, überwiegend Frauen und Mädchen, wurden identifiziert.
Laut dem Bericht handelt es sich bei diesen Zahlen lediglich um die „Spitze des Eisbergs“. Die Gewalt breite sich entlang der Konfliktzonen und Fluchtrouten aus und werde konsequent dazu eingesetzt, Zivilisten zu terrorisieren und zu traumatisieren.
Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, erklärte, dass sexuelle Gewalt im Sudan als Kriegswaffe eingesetzt werde und Kriegsverbrechen sowie potenziell Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstelle, wenn sie Teil weitverbreiteter oder systematischer Angriffe sei. In Darfur gebe es hinreichende Gründe für die Annahme, dass einige Taten Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnten.
Zu den dokumentierten Missbräuchen zählen Vergewaltigung, Gruppenvergewaltigung, sexuelle Sklaverei, Zwangsheirat, Zwangsprostitution, sexuelle Folter und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, wobei fast ein Viertel der Fälle Gruppenvergewaltigungen betrafen. In einem Fall vergewaltigten mindestens zehn Männer ein einzelnes Mädchen.
Die Mehrzahl der bestätigten Vorfälle wurde Personen in Uniformen der Rapid Support Forces (RSF), verbündeten Kämpfern und arabischen Milizen sowie den sudanesischen Streitkräften, verbündeten Sicherheitskräften, den Joint Forces, anderen bewaffneten Bewegungen und Milizen zugeschrieben.
Zu den identifizierten Mustern gehören sexuelle Gewalt zur Kontrolle der Bewegungsfreiheit der Zivilbevölkerung, Entführungen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt und sexuelle Sklaverei. Mindestens 85 Frauen und Mädchen wurden Berichten zufolge in sexuelle Sklaverei gehalten und zur Hausarbeit oder zur Einkommenserzielung gezwungen.
Unter den Opfern befanden sich mindestens 13 Frauen, Männer und Kinder, die starben, hauptsächlich infolge brutaler Gruppenvergewaltigungen. Das jüngste Opfer war neun Jahre alt. Viele Überlebende leiden unter schweren gesundheitlichen Problemen, die durch den Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung noch verschärft wurden. Zudem wurden mindestens 59 Mädchen und Frauen nach einer Vergewaltigung schwanger oder brachten Kinder zur Welt.
Der Bericht unterstreicht, dass Frieden und sozialer Zusammenhalt im Sudan auf Jahre hinaus gefährdet sein könnten, wenn nicht Gerechtigkeit, opferorientierte Maßnahmen und Bemühungen zur Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung umgesetzt werden.